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Mit ‘Sport’ getaggte Beiträge

Der Blick im Spitzensport

Die Wichtigkeit eines Ziels für die sportliche Leistung  

Um ein*e Spitzensportler*in zu sein, genügt es nicht, eine hohe Muskelmasse oder perfekte Geschicklichkeit zu haben. Es braucht auch eine starke mentale Vorbereitung. Die Zielsetzung ist ein wesentlicher Teil einer guten sportlichen Leistung.

Von Arianna Pagani
Lektoriert von Anja Blaser und Marina Reist
Illustriert von Anja Blaser

Ein*e Spitzensportler*in hat den Blick oft nach oben gerichtet: Auf die zu überwindende Stange, den zu treffenden Korb oder einfach, um beim Tanzen elegant auszusehen. Auch seine*ihre Gedanken zielen «nach oben»: Immer schneller, höher, mehr! Diese mentale Vorstellung ist wichtig für die Verbesserung der sportlichen Leistung, denn im Spitzensport ist neben der körperlichen Vorbereitung auch mentales Training notwendig, um erfolgreich zu sein (Ziemainz et al., 2003). Der Körper braucht den Kopf beim Sport (Teques et al., 2017).

Psychologie des Sports

Es gibt einen ganzen Bereich der Psychologie, der sich mit psychologischen Einflüssen auf den Sport beschäftigt (Nitsch, Gabler, & Singer, 2000). Die Sportpsychologie befasst sich mit dem Erleben – den inneren Prozessen – und dem Verhalten von Menschen mit spezifischem Bezug zu Sport und Bewegung (Brand, 2010). Die Erkenntnisse werden durch Empirie und wissenschaftliche Forschung gewonnen, die wiederum im Bereich des Sports praktisch angewendet werden.

Wie können Stress und Ängste im Wettbewerb überwunden werden? Wie kann der Trainer die Mannschaft nach einer ungünstigen ersten Halbzeit zum Sieg motivieren? Und wie kann das eigene Leistungsniveau gesteigert werden? In Bezug auf den letzteren Punkt vertiefen Weinberg und Gould (2019) verschiedene Faktoren wie Selbstvertrauen, Konzentration, Erwartung und Vorstellungskraft die auf die Verbesserung der Leistung im Sport auswirken können. 

Ziel: Wieso ist es so wichtig?

Das Ziel spielt auch eine wichtige Rolle bei der sportlichen Leistung (Weinberg & Gould, 2019). Es handelt sich um eine Absicht oder ein Ergebnis, das jemand erreichen will (Cashmore, 2008); es orientiert den*die Athlet*in sowohl im Training als auch im Wettkampf (Bull et al., 1996). Das Ziel hilft dabei, das eigene Verhalten zu fokussieren und ermöglicht den Vergleich mit der idealen Leistung, was zu einer Bewertung des aktuellen Zustands führt (Goisauf, 2020). Dieses Wissen wirkt sich wiederum positiv auf die intrinsische Motivation und die Leistung aus (Kleinbeck & Kleinbeck, 2009), erhöht das Selbstvertrauen und klärt die Erwartungen (Martens, 1987). Kyllo und Landers (1995) verglichen die Ergebnisse mehrerer Experimente und stellten fest, dass die Zielsetzung die sportliche Leistung um ein Drittel (0,34 SD) erhöhte. Im Allgemeinen hat die Zielsetzung also einen positiven Effekt, aber in einem Experiment (Weinberg et al., 1987) führte sie nicht zu einer höheren Leistung als bei der Gruppe ohne spezifisches Ziel. Die letztgenannte Gruppe von Athlet*innen wurde einfach aufgefordert, «ihr Bestes zu leisten», aber bei der nachfolgenden Befragung gab die überwiegende Mehrheit von ihnen an, dass sie sich trotzdem ein persönliches Ziel gesetzt hätten. Das bedeutet, dass die Zielsetzungen im Leistungssport sehr verbreitet und nützlich sind.

«The purpose of goals is to focus the attention. Vision expands the horizons; the greater the vision, the greater the goal that will be achieved.»

Will Carling, der erfolgreichste Kapitän in der Geschichte des englischen Rugbys (in Bull et al., 1996)

Das richtige Ziel

Das Ziel entspricht den eigenen aktuellen Bedürfnissen, die ständig verändert und aktualisiert werden sollen (Bull et al., 1996). Wie findet sich das für sich selbst am besten geeignete Ziel? Es gibt zwei Techniken, die bei der Suche nach dem Ziel helfen: Performance Profiling und Mental Skills Questionnaire.

Das erste (Butler & Sellars, 1996) ist ein Instrument, um die eigenen Stärken und Schwächen – sowohl physisch als auch psychisch – zu ermitteln und dann Ziele zu überlegen. Das Verfahren ist einfach: Zunächst werden die für die spezifische Sportart erforderlichen Kompetenzen aufgelistet, dann wird ihnen ein Idealwert zugewiesen, der ihrer Bedeutung für eine erfolgreiche Leistung entspricht, danach wird der eigene Leistungsstand für jede Kompetenz bewertet und die Diskrepanz zum Wünschenswerten berechnet. Zuletzt werden drei Prioritäten festgelegt – Kompetenzen, auf die man sich im Training konzentrieren sollte – je nach Schwächen oder Diskrepanzen.

Das Mental Skills Questionnaire (Bull et al., 1996) zielt zur Überwachung der mentalen Stärke und Schwächen des*der Athlet*in. Diese Technik besteht aus einer Vielzahl von Fragen über Erlebnisse bei der sportlichen Aktivität, wie etwa «Sind meine Gedanken während der Wettkämpfe oft woanders?». Sie beschreiben die mentalen Fähigkeiten des*der Sportler*in in verschiedene Aspekte, wie z. B. Entspannungsfähigkeit, Motivation und Umgang mit Ängsten. Wie beim Performance Profiling ergibt sich ein Wert für jede Kompetenz und daraus erschliesst sich, auf welche Fähigkeit ein besonderer Fokus gelegt werden sollte.

«Sei SMART bei der Zielsetzung» (Bull et al., 1996, S. 32)

Wie in anderen Bereichen, z. B. in der Schule oder am Arbeitsplatz, ist ein effizientes Ziel:

  1. Specific: Zielgebiet klären. Ein spezifisches Ziel ist effizienter als ein «Leiste dein Bestes»-Ziel;
  2. Measurable: Um Fortschritte zu bewerten;
  3. Adjustable: Je nach Situation, weil Zielsetzung ein dynamischer Prozess ist;
  4. Realistic: Es sollte herausfordernd, aber nicht unerreichbar sein, um die Motivation hochzuhalten;
  5. Time-based: Eine Frist festlegen, da sonst keine Priorität gesetzt werden kann.

Ziel setzen

Und wenn der Schwerpunkt des Trainings festgelegt ist, dann wird das Ziel gesetzt, das dem Anspruchsniveau entspricht (Gabler, 2002). Im Sport sollte das Ziel den SMART-Regeln folgen (siehe Kasten), um motivieren zu können, Ängste abzubauen und nicht zu überfordern (Jarvis, 1999). Um dies zu erreichen, brauchen die Sportler*innen sowohl kurz- (für die nächste Woche) als auch langfristige (für die gesamte Saison) Ziele, die in Kombination noch effektiver sind (Kyllo & Landers, 1995).

Jetzt sind Sie in der Lage, sich wirksame Ziele zu setzen: Der Weg zum Spitzensport rückt einen Schritt näher!


Zum Weiterlesen

Bull, S. J., Albinson, J. G., & Shambrook, C. J. (1996). The mental game plan: Getting psyched for sport. Sports Dynamics.

Healy, L., Tincknell-Smith, A., & Ntoumanis, N. (2018). Goal setting in sport and performance. In Oxford Research Encyclopedia of Psychology.

Literatur

Brand, R. (2010). Sportpsychologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Bull, S. J., Albinson, J. G., & Shambrook, C. J. (1996). The mental game plan: Getting psyched for sport. Sports Dynamics.

Butler, R., & Sellars, C. (1996). Performance profiling. Coachwise 1st4sport.

Cashmore, E. (2008). Sport and exercise psychology: The key concepts. Routledge.

Gabler, H. (2002). Motive im Sport: Motivationspsychologische Analysen und empirische Studien. Hofmann.

Goisauf, R. (2020). Ziele und Motivation. In Die Kilimanjaro-Strategie (pp. 77-87). Springer, Berlin, Heidelberg.

Jarvis, M. (1999). Sport psychology: A student hand book. Routledge.

Kleinbeck, U., & Kleinbeck, T. (2009). Arbeitsmotivation: Konzepte und Fördermaßnahmen. Pabst Science Publishers.

Kyllo, L. B., & Landers, D. M. (1995). Goal setting in sport and exercise: A research synthesis to resolve the controversy. Journal of Sport and Exercise Psychology17(2), 117-137. https://doi.org/10.1123/jsep.17.2.117

Martens, R. (1987). Coaches guide to sport psychology: A publication for the American Coaching Effectiveness Program: Level 2 sport science curriculum. Human Kinetics Books.

Nitsch, J. R., Gabler, H., & Singer, R. (2000). Sportpsychologie: Ein Überblick. Einführung in die Sportpsychologie. Teil1, 11-42.

Teques, P., Araújo, D., Seifert, L., Del Campo, V. L., & Davids, K. (2017). The resonant system: Linking brain–body–environment in sport performance. Progress in Brain Research234, 33-52. https://doi.org/10.1016/bs.pbr.2017.06.001

Weinberg, R., Bruya, L., Jackson, A., & Garland, H. (1987). Goal difficulty and endurance performance: A challenge to the goal attainability assumption. Journal of Sport Behavior10(2), 82.

Weinberg, R. S., & Gould, D. (2019). Foundations of sport and exercise psychology, 7E. Human Kinetics.

Ziemainz, H., Stoll, O., Küster, C., & Adler, K. (2003). Evaluation Mentalen Trainings im triathlonspezifischen Disziplinwechsel im Jugend-und Juniorenbereich. Leistungssport, 2, 20-22.

Mehr Bewegung – gerade jetzt!

Die Herausforderung und Bedeutung von körperlicher Aktivität in Zeiten von COVID-19

Sport ist gesund! Klar, das weiss wohl jeder. Die regelmässige Umsetzung gestaltet sich hingegen schwieriger, besonders in Pandemiezeiten. Sportzentren waren zeitweise geschlossen und von Gruppenaktivitäten wird nach wie vor abgeraten. Dabei ist körperliche Aktivität gerade jetzt besonders wichtig.

Von Julia J. Schmid
Lektoriert von Jovana Vicanovic und Marina Reist
Illustriert von Pierina Hostettler

Die COVID-19-Pandemie zwang die Weltbevölkerung ihren Alltag und ihre Gewohnheiten zu ändern (Lim & Pranata, 2020). Die Massnahmen und Empfehlungen, die im Rahmen von COVID-19 weltweit ausgesprochen wurden, sind für die Verringerung der Übertragung des Virus und die Gesamtbelastung durch die Pandemie essentiell (Hudson & Sprow, 2020). Dennoch haben sie auch ein Umfeld körperlicher Inaktivität geschaffen. Geschlossene Freizeiteinrichtungen und Fitnesszentren sowie abgesagter Mannschaftssport erschwerten es für viele ihre Trainingsprogramme und -routinen aufrecht zu halten. Auch die Umsetzung sozialer Unterstützung, die eine wichtige Komponente beim Start oder bei der Weiterführung eines Fitnessprogramms darstellt, war erschwert, da beispielsweise persönliche Trainings- und Gruppenfitnesskurse entfielen (Hudson & Sprow, 2020). Einige griffen auf Alternativen zurück (z. B. Online-Fitnesskurse) und trainierten individuell weiter, während andere ihre körperliche Aktivität aufgrund mangelnder sozialer Unterstützung oder Bedenken hinsichtlich der Ansteckung reduzierten (Stanton et al., 2020). Auch die fehlende Bereitschaft frühere Trainingsgewohnheiten zu ändern, konnte ein Hindernis darstellen (Stanton et al., 2020).

Um die Verbreitung der Infektionen einzudämmen, haben viele Regierungen neben Beschränkungen des öffentlichen Lebens sogar eine kollektive Quarantäne für die Bevölkerung durchgesetzt (Mattioli et a., 2020). Es ist wahrscheinlich, dass ein längerer Aufenthalt zu Hause zu vermehrt sitzenden Verhaltensweisen, reduzierter Bewegung und weniger täglichen Schritten führte (Chen et al., 2020; Lim & Pranata, 2020). Darüber hinaus könnten die Einschränkungen insbesondere bei Personen, die nur für kurze Zeit zunehmend körperlich aktiv waren, das Trainingsverhalten negativ beeinflusst und einen Rückfall zu früheren Verhaltensmustern bedingt haben (Frühauf et al., 2020). Gleichzeitig ist eine solch starke Einschränkung mit psychologischen Folgen verbunden (Brooks et al., 2020). Der entstandene Stress und mögliche depressive Symptome könnten wiederum zu nachteiligen Veränderungen des Gesundheitsverhaltens, wie ungesunder Ernährung und verminderter körperlicher Aktivität geführt haben (Mattioli et al., 2020).

«We understand now more than ever that sports keep our body and mind healthy and bring us together.»

Gilat & Cole, 2020, S. 176

Allerdings haben die Massnahmen für viele auch mehr Freizeit geschaffen, beispielsweise durch Kurzarbeit oder entfallene Pendelzeiten. Dies hat die Möglichkeit für Familienspaziergänge, Gartenarbeit und andere Outdoor-Aktivitäten erhöht (Hudson & Sprow, 2020). Die gewonnene Zeit könnte genutzt worden sein, um neue Gewohnheiten für regelmässige, körperliche Aktivität zu entwickeln (Stanton et al., 2020). Da Bewegung einer der wenigen, legitimen Gründe war, das Haus zu verlassen, haben einige Menschen wohlmöglich eine Geh- oder Fahrradroutine aufgebaut (Stanton et al., 2020).

Weniger oder doch mehr Bewegung?

Weltweit nahm die durchschnittliche Anzahl Schritte pro Tag innerhalb von 30 Tagen nach der Pandemieerklärung um 27 Prozent ab (Tison et al., 2020). Europa verzeichnete einen noch drastischeren Rückgang um bis zu 38 Prozent (Fitbit, 2020). Eine sieben sprachige Online-Umfrage ergab, dass die COVID-19 Beschränkungen einen negativen Effekt auf alle Bewegungs-Intensitäten hatten (Ammar et al., 2020). Die Anzahl Minuten körperlicher Aktivität pro Tag mit starker Intensität verringerte sich im Vergleich zu früher um 23 Prozent, bei mittlerer Intensität um 24 Prozent und beim Gehen um 35 Prozent. Das Ausmass des Rückgangs hing mit der Strenge der einzelnen staatlichen Beschränkungsmassnahmen zusammen. Zusätzlich erhöhte sich die tägliche Sitzzeit von fünf auf acht Stunden pro Tag (Ammar et al., 2020). In einigen Ländern wurde ein Anstieg der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas und der damit verbundenen Folgen festgestellt (Onagbiye et al., 2020). He und Kollegen (2020) konnten zeigen, dass dies auf die erzwungenen Änderungen im Lebensstil zurückzuführen ist. Dabei korrelierte die Änderung des Körpergewichts während der Pandemie negativ mit der Änderung der Schritte pro Tag und der Trainingszeit.

«The role that sports play in this pandemic is unprecedented, fascinating, and reveals the immense impact sport has on every aspect of our lives.»

Gilat & Cole, 2020, S. 175

Fast die Hälfte der in Australien Befragten berichtete über eine Verringerung der körperlichen Aktivität seit Ausbruch der Pandemie, während etwa 20 Prozent eine positive Veränderung nannten (Stanton et al., 2020). Auch in Italien hat die gesamte körperliche Aktivität in allen Altersgruppen, und insbesondere bei Männern, signifikant abgenommen (Maugeri et al., 2020). Männer könnten stärker betroffen sein, da sie mehr in sozialen und kompetitiven Kontexten Sport treiben und Outdoor-Aktivitäten sowie öffentliche Einrichtungen bevorzugen, während Frauen Indoor-Aktivitäten präferieren. Überdies könnte die vermehrte Hausarbeit der Frauen die Unterschiede erklären (Maugeri et al., 2020). In Österreich wurde ebenfalls eine generelle Abnahme der körperlichen Aktivität festgestellt (Schnitzer et al., 2020). Eine Gruppenanalyse ergab aber erstaunlicherweise, dass fast die Hälfte der Personen, die zuvor sehr wenig Sport gemacht haben, sich während der Quarantäne verstärkt körperlich betätigten (Schnitzer et al., 2020). Die Autoren nehmen an, dass dies auf sinkende Opportunitätskosten zurückzuführen ist und argumentieren, dass der Anstieg mit der Zunahme an Freizeit und einer Präferenzverschiebung einhergeht. Ferner zeigte auch die Studie aus Italien bei der Gruppe, die vor der Pandemie wenig aktiv war, einen gesteigerten Gesamtenergieverbrauch, womöglich aufgrund vermehrter Hausarbeitsaktivitäten (Maugeri et al., 2020). Eine Studie aus Belgien liefert noch differenziertere Ergebnisse (Constandt et al., 2020). Personen, die vor der Pandemie hoch aktiv waren, über 55 Jahre alt sind, eine geringere Bildung aufweisen, früher mit Freunden oder im Sportverein trainierten und keine Online-Tools verwendeten, berichteten, dass sie während den Einschränkungen weniger körperlich aktiv waren. Als Hauptgründe für die Reduktion wurde genannt, weniger Zeit zu haben, mehr zu sitzen und das Gewohnte und Kompetitive des Trainings zu vermissen. Ungefähr die Hälfte der hochaktiven Menschen gab an, mehr Zeit als zuvor für Sport zu haben. Dennoch erhöhten aufgrund der geschlossenen Sportinfrastrukturen und abgesetzten Sportveranstaltungen sowie der fehlenden sozialen Unterstützung nur 36 Prozent ihre Trainingszeit, während 23 Prozent sie reduzierten. Ein komplett anderes Bild zeigte sich bei Personen, die vor der Sperrung wenig aktiv waren. Mehr als die Hälfte gab an, nun mehr Zeit für Sport zu haben. Als Hindernisse wurden zusätzlich Ansteckungsängste und mangelndes Interesse aufgelistet. Dennoch trainierten ganze 60 Prozent nun mehr als zuvor (Constandt et al., 2020). Diese Ergebnisse geben Hoffnung, dass Personen, die ihr Trainingsverhalten erhöhten, neue Gewohnheiten entwickeln, die auch nach der Pandemie fortbestehen (vgl. Nyenhuis et al., 2020).

Bewegung schützt den Körper – gerade jetzt!

Körperliche Aktivität ist wichtig, um auch während der Pandemie gesund zu bleiben. Die negativen psychologischen Auswirkungen der Pandemie, wie Stress und die damit einhergehende Hormonausschüttung, können die Immunantwort und die metabolische Gesundheit dämpfen, wobei Bewegung diesen Effekten entgegenwirken kann (Ranasinghe et al., 2020). Gerade in Zeiten von COVID-19 ist Bewegung unerlässlich, um das Risiko von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Kardiovaskulären- und Atemwegserkrankungen zu senken, die in jüngsten Studien als die häufigsten Begleiterkrankungen von COVID-19 genannt wurden und mit erhöhtem Risiko für Krankenhausaufenthalte und Mortalität verbunden sind (Jurak et al., 2020; Zbinden-Foncea et al., 2020). Zusätzlich hat regelmässige moderate körperliche Aktivität das Potenzial, die Immunfunktion zu verbessern und das Risiko, die Dauer und die Schwere der viralen Infektionen zu reduzieren (Laddu et al., 2020; Grande et al., 2015). Auch gibt es neue Daten, wonach körperliche Betätigung das Risiko eines akuten Atemnotsyndroms, einer Haupttodesursache bei Patienten mit COVID-19, verringern kann (UVA, 2020). Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 max), die die Ausdauerleistungsfähigkeit darstellt, kann gar zur Risikoeinschätzung verwendet werden (Ahmed, 2020). Inwiefern körperliche Aktivität tatsächlich das Risiko einer Infektion mit COVID-19 mindert und bei einer Ansteckung Komplikationen vorbeugt, muss aus retrospektiven, epidemiologischen Daten noch ermittelt werden (Zbinden-Foncea et al., 2020).

Bewegung schützt die Psyche – gerade jetzt!

Die COVID-19-Pandemie und ihr Management stellen eine Bedrohung für das Wohlbefinden von Menschen ohne und insbesondere mit vorbestehenden psychischen Störungen dar (Diamond & Waite, 2020). Als Stressoren nennen Brooks et al. (2020) in ihrem Review eine längere Quarantänedauer, Infektionsängste, Frustration, Langeweile, unzureichende Versorgung, unzureichende Informationen, finanzielle Verluste und Stigmatisierung. Die Konsequenzen sind posttraumatische Stresssymptome, Verwirrung und Wut (Brooks et al., 2020). In einigen Ländern wurde ein Anstieg von Angst und Depression festgestellt (Onagbiye et al., 2020). Es ist bekannt, dass Bewegung ein wirksames Mittel zur Verbesserung der aktuellen Stimmung, des Wohlbefindens und zur Prävention von psychischen Störungen ist (Frühauf et al., 2020). Depressive Symptome und Angst können sogar in einem ähnlichen Ausmass reduziert werden, wie durch eine medikamentöse Therapie (Wegner et al., 2014). Körperlich aktive Menschen haben unabhängig von ihrem Fitnesslevel eine bessere psychische Gesundheit, bessere Lebensqualität und sind widerstandsfähiger gegen Stress (Penedo & Dahn 2005; Deuster & Silverman, 2013).

Mehr oder weniger Sport während der Pandemiezeit? Eine Familie berichtet:

Schülerin, 18: «Ich war so fit wie noch nie! Von der Schule hatten wir die Aufgabe, uns auf einen 3-Kilometerlauf vorzubereiten. Erst war es schrecklich. Doch mit der Zeit war ich motivierter, aufnahmefähiger und hatte bessere Laune. Ich glaube, wenn ich nicht Sport gemacht hätte, wäre ich in ein Loch gefallen.»

Student, 22: «Der Unisport fiel aus, mein Fussballverein war geschlossen. Ich war mehrheitlich zu Hause. Am Abend verspürte ich einen enormen Bewegungsdrang und musste einfach joggen gehen. Das gab mir das Gefühl, den Tag genutzt zu haben.»

Kundenberater, 58: «Ich ging mehrmals an den Vitaparcours, sonst habe ich keinen Sport gemacht.»

Sachbearbeiterin, 46: «Aufgrund meiner Kurzarbeit hatte ich viel mehr Zeit. Mein Fitnesscenter bot online Kurse an, die ich täglich wahrnahm. Bei schönem Wetter ging ich walken oder mit meiner Familie an den Vitaparcours. So habe ich täglich bis zu dreimal Sport gemacht.»

Stanton und Kollegen (2020) zeigten, dass eine Reduktion der körperlichen Aktivität während der Pandemie mit höheren Depressions-, Stress- und Angstwerten einherging. Zugleich lindert körperliche Aktivität die indirekt durch den COVID-19 Ausbruch induzierten, allgemeinen negativen Emotionen (Zhang et al., 2020). Dies obwohl sozialer Kontakt und Unterstützung, die die positiven psychischen Auswirkungen von Bewegung erhöhen, in dieser Zeit grösstenteils wegfielen (vgl. Burke et al., 2006). Ferner fanden Maugeri und Kollegen (2020) eine positive Korrelation zwischen der körperlichen Aktivität während der Pandemie und dem psychischen Wohlbefinden. Interessanterweise war die Korrelation bei Frauen stärker. Möglicherweise beeinflussen Änderungen der Gewohnheiten der körperlichen Aktivität das Wohlbefinden von Frauen extremer als das von Männern (Maugeri et al., 2020). Körperliche Aktivität steigert die Selbstwirksamkeitserwartung und das globale Selbstwertgefühl, was gerade in dieser herausfordernden Zeit nützlich sein kann (Netz et al., 2005; Spence et al., 2005). Darüber hinaus hat körperliche Aktivität positive Auswirkungen auf häufige Probleme in Quarantänezeiten wie Frustration, Stress, Depression und Langeweile und kann die psychischen Folgen der Isolation wirksam reduzieren (Foye et al., 2020; de Oliveira Neto et al., 2020; Ranasinghe et al., 2020). Bewegung im Freien hat aufgrund der vielfältigen visuellen Eindrücke der Natur zusätzliche, positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Die Zufriedenheit wird erhöht und depressive Symptome, Langeweile, psychische Erschöpfung, Wut und Angst, die alle mit der Pandemie assoziiert sind, werden gelindert (Van den Berg et al., 2010; Frühauf et al., 2020; Park et al., 2020). Das Tageslicht hat ebenfalls einen starken Einfluss auf die geistige und körperliche Gesundheit (Beute & Kort, 2014). Diese Erkenntnisse sind sehr positiv zu werten, da während der Pandemie neben der Präferenz für Heimtraining und auch die Beliebtheit von Spaziergängen und anderen Aktivitäten im Freien anstieg (Schnitzer et al., 2020; Nyenhuis et al., 2020).

Die aktuelle Forschung zeigt: Trotz zunehmenden Herausforderungen ist körperliche Aktivität der Schlüsselfaktor, um die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung während der Pandemie aufrecht zu halten. Was wir brauchen, ist: Mehr Bewegung – gerade jetzt!


Zum Weiterlesen

Brooks, S. K., Webster, R. K., Smith, L. E., Woodland, L., Wessely, S., Greenberg, N., & Rubin, G. J. (2020). The psychological impact of quarantine and how to reduce it: Rapid review of the evidence. The Lancet, 395(10227), 912–920. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30460-8

Maugeri, G., Castrogiovanni, P., Battaglia, G., Pippi, R., D’Agata, V., Palma, A., Di Rosa, M., & Musumeci, G. (2020). The impact of physical activity on psychological health during Covid-19 pandemic in Italy. Heliyon, 6(6), e04315. https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2020.e04315

Literatur

Ahmed, I. (2020). COVID-19 – does exercise prescription and maximal oxygen uptake (VO2 max) have a role in risk-stratifying patients?. Clinical medicine (London, England), 20(3), 282–284. Advance online publication. https://doi.org/10.7861/clinmed.2020-0111

Ammar, A., Brach, M., Trabelsi, K., Chtourou, H., Boukhris, O., Masmoudi, L., Bouaziz, B., Bentlage, E., How, D., Ahmed, M., Müller, P., Müller, N., Aloui, A., Hammouda, O., Paineiras-Domingos, L. L., Braakman-Jansen, A., Wrede, C., Bastoni, S., Pernambuco, C. S., Mataruna, L., … Hoekelmann, A. (2020). Effects of COVID-19 home confinement on eating behaviour and physical activity: results of the ECLB-COVID19 international online survey. Nutrients, 12(6), E1583. https://doi.org/10.3390/nu12061583

Beute, F., & Kort, Y. A. W. de (2014). Salutogenic effects of the environment: Review of health protective effects of nature and daylight. Applied Psychology. Health and Well-Being, 6(1), 67–95. https://doi.org/10.1111/aphw.12019

Brooks, S. K., Webster, R. K., Smith, L. E., Woodland, L., Wessely, S., Greenberg, N., & Rubin, G. J. (2020). The psychological impact of quarantine and how to reduce it: rapid review of the evidence. Lancet (London, England), 395(10227), 912–920. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30460-8

Burke, S. M., Carron, A. V., Eys, M. A., Ntoumanis, N., & Estabrooks, P. A. (2006). Group versus individual approach? A meta-analysis of the effectiveness of interventions to promote physical activity. Sport and Exercise Psychology Review, 2(1), 19-35.

Chen, P., Mao, L., Nassis, G. P., Harmer, P., Ainsworth, B. E., & Li, F. (2020). Coronavirus disease (COVID-19): The need to maintain regular physical activity while taking precautions. Journal of sport and health science, 9(2), 103–104. https://doi.org/10.1016/j.jshs.2020.02.001

Constandt, B., Thibaut, E., De Bosscher, V., Scheerder, J., Ricour, M., & Willem, A. (2020). Exercising in Times of Lockdown: An Analysis of the Impact of COVID-19 on Levels and Patterns of Exercise among Adults in Belgium. International journal of environmental research and public health, 17(11), 4144. https://doi.org/10.3390/ijerph17114144

de Oliveira Neto, L., Elsangedy, H. M., de Oliveira Tavares, V. D., Teixeira, C. V. L. S., Behm, D. G., & Da Silva-Grigoletto, M. E. (2020). # TrainingInHome-Home-based training during COVID-19 (SARS-COV2) pandemic: physical exercise and behavior-based approach. Revista Brasileira de Fisiologia do Exercício, 19(2), 9-19.

Deuster, P. A., & Silverman, M. N. (2013). Physical fitness: a pathway to health and resilience. U.S. Army Medical Department journal, 24–35.

Diamond, R., & Waite, F. (2020). Physical activity in a pandemic: A new treatment target for psychological therapy. Psychology and psychotherapy, 10.1111/papt.12294. Advance online publication. https://doi.org/10.1111/papt.12294

Fitbit, 2020. The impact of coronavirus on physical activity all over the world. Available at: https://blog.fitbit.com/covid-19-global-activity. Accessed April 13, 2020.

Foye, U., Li, Y., Birken, M., Parle, K., & Simpson, A. (2020). Activities on acute mental health inpatient wards: A narrative synthesis of the service users‘ perspective. Journal of psychiatric and mental health nursing, 27(4), 482–493. https://doi.org/10.1111/jpm.12595

Frühauf, A., Schnitzer, M., Schobersberger, W., Weiss, G., & Kopp, M. (2020). Jogging, nordic walking and going for a walk—interdisciplinary recommendations to keep people physically active in times of the covid-19 lockdown in Tyrol, Austria. Current Issues in Sport Science, 4(100). https://doi.org/10.15203/CISS_2020.100

Gilat, R., & Cole, B. J. (2020). COVID-19, medicine, and sports. Arthroscopy, sports medicine, and rehabilitation, 2(3), e175–e176. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.asmr.2020.04.003

Grande, A. J., Keogh, J., Hoffmann, T. C., Beller, E. M., & Del Mar, C. B. (2015). Exercise versus no exercise for the occurrence, severity and duration of acute respiratory infections. The Cochrane database of systematic reviews, (6), CD010596. https://doi.org/10.1002/14651858.CD010596.pub2

He, M., Xian, Y., Lv, X., He, J., & Ren, Y. (2020). Changes in body weight, physical activity and lifestyle during the semi-lockdown period after the outbreak of COVID-19 in China: an online survey. Disaster medicine and public health preparedness, 1–10. Advance online publication. https://doi.org/10.1017/dmp.2020.237

Hudson, G. M., & Sprow, K. (2020). Promoting Physical Activity During the COVID-19 Pandemic: Implications for Obesity and Chronic Disease Management. Journal of physical activity & health, 1–3. Advance online publication. https://doi.org/10.1123/jpah.2020-0318

Jurak, G., Morrison, S. A., Leskošek, B., Kovač, M., Hadžić, V., Vodičar, J., Truden, P., & Starc, G. (2020). Physical activity recommendations during the coronavirus disease-2019 virus outbreak. Journal of sport and health science, S2095-2546(20)30062-4. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.jshs.2020.05.003

Laddu, D. R., Lavie, C. J., Phillips, S. A., & Arena, R. (2020). Physical activity for immunity protection: Inoculating populations with healthy living medicine in preparation for the next pandemic. Progress in cardiovascular diseases, S0033-0620(20)30078-5. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.pcad.2020.04.006

Lim, M. A., & Pranata, R. (2020). Sports activities during any pandemic lockdown. Irish journal of medical science, 1–5. Advance online publication. https://doi.org/10.1007/s11845-020-02300-9

Mattioli, A. V., Sciomer, S., Cocchi, C., Maffei, S., & Gallina, S. (2020). Quarantine during COVID-19 outbreak: changes in diet and physical activity increase the risk of cardiovascular disease. Nutrition, metabolism, and cardiovascular diseases : NMCD, S0939-4753(20)30213-1. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.numecd.2020.05.020

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